Donnerstag, 20. dezember 2007

Auf das geschöpfte Papier wurde durch Keksformen lila Papierwasser gegossen
Bilder: Gundula Kerekes, Handgeschöpftes Papier
Hallo Naturfreunde,
in riesen Schritten nähern wir uns dem Geschenketag des Jahres – für die einen zur Freude für die anderen zum Schrecken. Wie auch immer häuft sich bei vielen in dieser Zeit vermehrt Papier an. Und
wer Kinder hat, hat auch schnell die verschiedensten Bastelpapierreste. Was tun mit diesen größeren und kleineren Schnipseln und Stücken? Eine schöne Möglichkeit ist da das Basteln schöner
Grußkarten aus selber geschöpftem Papier. Aber was heißt eigentlich „schöpfen“? Und wofür denn nun wieder die Arbeit?
Den Begriff „schöpfen“ kennt Ihr vielleicht von der Suppe - mit der Kelle „schöpfen“ wir sie uns auf den Teller. Und das Papier schöpfen wir mit einem speziellen Rahmen aus einem
Wasser-Faser-Gemisch. Ihr habt richtig gelesen. Papier besteht aus lauter kleinen „Fasern“, man könnte auch Fuseln sagen. Wenigstens beim ersten Papier in Europa paßte das besser – denn früher
wurde Papier aus Lumpen hergestellt. Für die Lumpensammler war das ein einträgliches Geschäft. Als dann die ersten Bücher gedruckt wurden, war Papier eine Mangelware – es gab zu wenig Lumpen zur
Herstellung dieses Papieres. Da war es sogar unter hoher Strafe verboten, bei Bestattungen Kleidung mit in das Grab zu geben. Jeder Stofffetzen wurde zur Papierherstellung verwendet. Gut, daß 1843
Holz als Rohstoff der Papierherstellung entdeckt wurde – allerdings weniger gut für die Wälder. Denn diese werden weltweit, zum Teil schonungslos, gerodet und gefällt, um den Hunger der vielen
großen und kleinen Papierfabriken zu stillen. Da ist Toilettenpapier aus nicht Recyclingpapier eigentlich viel zu wertvoll für die Toilette...
TIPP: Schaut Euch verschiedene Papiere einmal unter der Lupe an, auch an einer eingerissenen Stelle – Ihr könnt sehr schön klitzekleine Holzfasern sehen. Bei Malbüchern mit dickem beigem Papier zum
Beispiel besonders gut. Je glatter das Papier ist, umso schlechter finden wir Fasern. Denn umso feiner werden sie zerrissen. Zusätzlich wird das Papier dann noch mit „Füllstoffen“ bestrichen und
vermischt. Das ist zum Beispiel Stärke, die sich ein den Lücken zwischen den Holzfasern einlagert. Verwendet wird auch Porzellanerde (Aluminiumsilikat). Diese Pigmente werden ganz fein gemahlen mit
speziellen Bindemitteln gemischt und auf die Papierbahnen aufgebracht. Das gibt eine glatte und vor allem sehr weiße Oberfläche. Neben der Porzellanerde wird auch noch Calciumcarbonat (Kreide,
Kalkstein, Marmor) und Talkum (Magnesiumsilikat) zum Weissmachen genutzt. Also kein Wunder, daß ein dicker Katalog so schwer ist... Und kein Wunder, daß Recyclingpapier immer ein wenig grau bleibt.
Denn all diese Stoffe und dazu die Druckfarben können nicht wieder ganz aus dem Papier entfernt werden.
TIPP: Nehmt auch einmal Recyclingpapier (z.B. Toilettenpapier) unter die Lupe – da könnt Ihr bunte Papierfasern und manchmal sogar Metallfetzen erkennen. Es ist übrigens ganz schön aufwendig,
Papier so weit zu reinigen, daß wieder weißes Papier daraus wird. Etwas neue Holzfasern müssen dabei immer untergemischt werden, da die alten Fasern beim Recyclen immer kürzer werden. Dadurch
halten sie dann schlechter zusammen. Für unsere Bastelzwecke reicht aber der Altpapierbrei, den Ihr herstellen werdet.
TIPP: Die Anleitung zum Papierschöpfen findet ihr unten auf dieser Seite. Eins verrate ich Euch vorher noch. Euer Papier wird besonders „dufte“ wenn Ihr Tannen- oder Fichtennadeln mit verarbeitet
oder ein wenig Duftöl in den Papierbrei gebt. Auch abgeriebene Orangenschale duftet gut. Sie kann z. B. nach dem Schöpfen, vor dem Pressen aufgestreut werden. Und ansonsten sind Eurer Phantasie
kaum Grenzen gesetzt – probiert einfach aus, was klappt und was nicht. Im Sommer verwende ich auch gerne einige Kräuter und Blütenblätter...
Spätestens wenn Ihr Euer erstes eigenes Papier in der Hand habt, wißt Ihr auch wofür die Arbeit war – es ist einfach einmalig! Und vor allem wißt Ihr jetzt, wie Papier hergestellt wird!
Also, viel Spaß dabei und viele schöne Ideen !
Eine Anleitung zum Papierschöpfen und weitere Bilder von dem handgeschöpften Papier findet Ihr unter meinem Hauptblog:
www.naturtipps.de
Dort gibt es außerdem eine kleine Linkliste zu dem Thema Papier, den Umweltproblemen und einer Liste mit Recyclingprodukten des Blauen Engels.